Digitalisierung und Vernetzung verursachen extreme Komplexität.

Als linear denkende Wesen erfassen Menschen exponentielle Einflüsse in seltenen Fällen richtig. Wenn sich Ergebnisse mit jedem Entwicklungsschritt verdoppeln, verliert das Gehirn Anhaltspunkte für richtige Antworten. Die berühmte Reis-Schachbrett-Kalkulation zeigt das eindrucksvoll. Ein Reiskorn liegt auf einem Schachbrettfeld. Mit jedem Feld des Schachbretts erhöht sich die Anzahl der Reiskörner um die doppelte Anzahl. Auf dem letzten Feld des Schachbretts liegt am Ende die gesamte Reisproduktion dieser Welt.

Auf neue Situationen, Zukunftsfragen und komplexe Umstände reagieren menschliche Wesen mit einer Schutzfunktion. Sie blenden aus, was nicht ins lineare Denkschema passt.

Gerhard Sperling

Gerhard Sperling

Lineares Denken verhindert Innovationen und Kreativität.

Lineares Denken als Erfolgsmaßstab verhindert Innovationen und Kreativität.Kinder in unserem Kulturkreis erlernen Umgangsformen durch erzieherische Maßnahmen. Schule arbeitet Lehrpläne ab. Universitäten geben Studienpläne vor. Wer es schafft, sich an die gesetzten Regeln anzupassen, kann mit guten Noten im Zeugnis rechnen. Eine berufliche Lehre gilt als abgeschlossen, wenn der Auszubildende „auslernt“. Neugier, Kreativität und Intuition spielen im ersten Lebensabschnitt und auch später eine untergeordnete Rolle.Wir denken in Ursache / Wirkung und glauben, dass zukünftige Umstände vorhersagbar sind, wenn wir auf vergangene Ergebnisse blicken. Wir glauben tatsächlich, dass die Zukunft durch den Blick in den Rückspiegel gestaltbar ist.

Komplexität bedeutet, dass sich Lebensumstände exponentiell verändern.

Menschen in Unternehmen oder Organisationen verspüren dauernd den Drang, Technik zu verbessern oder Abläufe zu optimieren. Unentwegt suchen Querdenker und Visionäre nach Fortschritt und noch besseren Systemen. Die Welt, wie sie heute ist, zeigt deutlich, was Menschen zuwege bringen, wenn sie diesem Optimierungsdrang folgen.Das menschliche Handeln hat Einfluss auf die Welt, in der wir leben. Jede Aktivität bedeutet veränderte Umstände in vielen Bereichen. Verbrauche ich Rohstoffe, verändert sich die Welt dort, wo Menschen diese Rohstoffe abbauen. Verändere mein Essverhalten, beeinflusse ich in geringem Maße diejenigen, die Lebensmittel produziere. Wir übersehen bei unserem individuellen Verhalten den Multiplikator-Effekt. Angenommen – was ich verändere, verändern zum gleichen Zeitpunkt eine Million Menschen. Eine Einzelmaßnahme erzeugt damit ein Umdenken auf ganzer Linie.

Der tote Winkel der Ignoranz gibt Hinweise auf zukünftige Entwicklungen

Bei allen Innovationen oder Ereignissen kündigt sich frühzeitig an, dass sich die Lebensumstände verändern. Der Mensch findet es unbequem, ständig über Dinge nachzudenken, die nicht unmittelbaren Einfluss auf sein derzeitiges Leben haben. Wir alle wissen, dass

  • die Rentenkassen den zukünftigen Bedürfnissen nicht standhalten.
  • die traditionelle Art, Probleme zu lösen, den komplexen Umständen nicht Stand hält.
  • bei steigenden Temperaturen das Klima unser Leben auf den Kopf stellen wird.
  • Angst die politischen Verhältnisse ändern wird.
  • unser Bildungssystem an den zukünftigen Ansprüchen einer Wissensgesellschaft vorbei arbeitet.
  • Führungsverhalten in Unternehmen unter dem Einfluss digitaler Medien neue Ansätze braucht.
  • lebenslanges Lernen der Schlüssel für Innovationen im globalen Wettbewerb ist.
  • Artensterben den Fortbestand menschlichen Lebens bedroht.

Diese Liste ist beispielhaft. Viele andere Aspekte ließen sich da noch nennen. Wir alle wissen, dass da was „im Busche“ ist. Wir verdrängen es gekonnt. Solange es uns nicht betrifft, bleiben wir vorerst ruhig. Bis eines Tages der Tipping-Point in Sichtweite kommt. Überschreiten wir diesen Umkehrpunkt, haben wir es von heute auf morgen mit chaotischen Verhältnissen zu tun. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Den Bereich vor dem Tipping-Point nenne ich den „Toten Winkel der Ignoranz“. Statt das auszublenden, was frühzeitig erkennbar ist, blenden wir das aus, was unbequem ist.

Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung treiben sich gegenseitig

Menschen sind durch die Digitalisierung in der Lage, weltweit mit anderen in Verbindung zu treten. Die Vernetzung lässt Informationen aus dem letzten Winkel dieser Welt überall und fast zeitgleich erscheinen. Durch das Internet, das mehr ist als ein „normales“ Medium, wird sofortiger Austausch möglich. Fakten können per Klick millionenfach in Sekunden verbreitet werden.

 

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